Loch und Wand bestimmen
Sieh dir jedes Loch an, bevor du einkaufst. Drei Fragen entscheiden über das Material: Wie groß und wie tief ist das Loch, liegt dahinter Mauerwerk oder ein Hohlraum, und hält der Rand?
Klopf mit dem Fingerknöchel neben das Loch. Klingt die Wand dumpf und fest, sitzt Putz auf Mauerwerk oder Beton. Klingt sie hohl und siehst du am Lochrand eine Kartonschicht über einem weißen Gipskern, ist es eine Gipskartonwand mit Hohlraum dahinter – typisch für ausgebaute Dachgeschosse, Vorsatzschalen und nachträglich eingezogene Trennwände. Auch Lochziegel haben Hohlräume, ein Hohlraum hinter dem Bohrloch allein heißt also noch nicht Trockenbau. Das Bohrmehl unter dem Loch hilft beim Einordnen: Rotes Mehl kommt aus Ziegel, graues aus Beton, weißes aus Gips, Kalksandstein oder Porenbeton.
Ein Dübelloch ist mindestens so tief, wie der Dübel lang war, oft tiefer: fischer empfiehlt, beim Bohren die Putzdicke auf die Dübellänge aufzuschlagen. Ein 8er-Dübel mit 40 mm Länge hinterlässt also ein Loch von 8 mm Durchmesser und gut 40 mm Tiefe.
Kratz mit dem Spachtel am Rand. Bröckelt der Putz weiter ab, was im Altbau mit weichem Kalkputz oft passiert, gehört der lose Bereich mit zur Reparatur. Ist die Stelle feucht, etwa neben einer undichten Fensterlaibung, behebst du zuerst die Ursache: Gipsspachtel ist laut Hersteller nicht für dauerfeuchte Untergründe geeignet.
Dübel und lose Ränder entfernen
Zum Entfernen von Dübeln nennt fischer Flachspitzzange, Korkenzieher und Teppichmesser; dazu kommen Staubsauger, ein schmaler Spachtel zum Füllen und ein breiter zum Abziehen. Die Schraube kommt immer zuerst heraus, dann je nach Dübel:
- Spreizdübel aus Kunststoff: mit der Flachspitzzange greifen oder einen Korkenzieher eindrehen und den Dübel langsam herausziehen. Ruckartiges Ziehen reißt den Rand aus, und aus einem 6-mm-Loch wird ein Ausbruch.
- Metalldübel: eine Schraube nur ein Stück eindrehen und den Dübel daran herausziehen. Sitzt die Schraube zu tief, spreizt sich der Dübel, und beim Ziehen beschädigt er die Wand.
- Hohlraumdübel in Gipskarton: Viele lassen sich herausdrehen. Kippdübel fallen in den Hohlraum, sobald Schraube und Haltevorrichtung entfernt sind. Mit der Montagezange aufgefächerte Dübel drehst du ein Stück heraus, bis die Schraube gerade noch hinten im Gewinde greift, und gibst einen kurzen Schlag auf den Schraubenkopf: Der Dübel streckt sich und lässt sich herausziehen.
- Dübel sitzt fest: Bohr ihn mit einem Bohrer aus, der gerade in den Dübel passt, und saug die Reste ab. Geht auch das nicht, schneidest du ihn mit dem Teppichmesser bündig ab und spachtelst darüber.
Kratz danach ab, was am Rand locker sitzt, bis du auf festem Putz bist. Saug das Loch bis in die Tiefe aus, denn auf Bohrmehl und Staub haftet kein Spachtel. Eine abgelöste Tapetenkante am Rand schneidest du sauber ab, statt sie mit Spachtel festzukleben.
Womit füllst du welches Loch?
Für fast jedes Loch reicht eines von drei Materialien:
- Fertigspachtel aus der Tube, etwa Innen Reparatur Moltofill von Molto: gebrauchsfertig, schleifbar und überstreichbar, laut Merkblatt für Dübellöcher, kleinere Risse und Ausbrüche auf Putz, Beton, Mauerwerk und Gipskarton. Er trocknet je nach Schichtstärke in etwa 2 Stunden und wird ab 10 °C verarbeitet. Die 330-g-Tube kostet bei toom 4,99 €.
- Gipsspachtel als Pulver, etwa Moltofill Das Original: im Verhältnis 2:1 mit Wasser angerührt und danach rund eine Stunde verarbeitbar. Er schrumpft laut Hersteller nicht und härtet in jeder Schichtstärke gleich schnell durch, darum ist er das Material für tiefe Ausbrüche. 1 kg kostet bei toom 4,99 €.
- Reparaturgewebe für Gipskarton, etwa von Rigips: selbstklebend und metallverstärkt, in 10 × 10 oder 15 × 15 cm. Es überbrückt das Loch in der Platte, darüber kommt Fugenspachtel.
Die Preise gelten inklusive Mehrwertsteuer (Stand: Oktober 2026). Wie weit eine Tube reicht, lässt sich ausrechnen: 330 g Fertigspachtel mit einer Dichte von rund 1,5 g/cm³ sind etwa 220 cm³ Masse. Ein Dübelloch mit 8 mm Durchmesser und 40 mm Tiefe fasst rund 2 cm³, eine Tube füllt also rechnerisch gut 100 solcher Löcher.
Übersicht
Was in welches Loch gehört
| Loch | Fertigspachtel (Tube) | Gipsspachtel (Pulver) | Reparaturgewebe | Passstück mit Hinterlegung | Darauf achten |
|---|---|---|---|---|---|
| Nagel- oder Schraubenloch | ja | ja | nein | nein | Für ein paar Löcher lohnt kein Anrühren |
| Dübelloch in Putz oder Mauerwerk | ja | ja | nein | nein | Tief eindrücken, eingesunkene Masse nachfüllen |
| Ausgerissenes Loch, tiefer Ausbruch | bedingt | ja | nein | nein | Tube nur in dünnen Lagen, Gips füllt in einem Gang |
| Dübel- oder Schraubenloch in Gipskarton | ja | ja | nein | nein | Hohlraumdübel herausdrehen, nicht herausreißen |
| Loch in Gipskarton bis Steckdosengröße | nein | nein | ja | ja | Gewebe muss rundum auf festem Rand kleben |
| Größeres Loch in Gipskarton | nein | nein | nein | ja | Vor dem Sägen Leitungen klären |
Acryl, Silikon und Zahnpasta tauchen in Tipps zum Löcherfüllen immer wieder auf.
Irrtum
„Acryl aus der Kartusche füllt ein Loch genauso gut.“
Richtig
Acrylmasse wie Elastik Moltofill ist für Dehnungsfugen und Risse bis 5 mm Breite und Tiefe gemacht, bleibt dauerelastisch und braucht je nach Schichtstärke 1 bis 4 Tage zum Trocknen.
Irrtum
„Silikon geht auch, Farbe kommt ja drüber.“
Richtig
Silikon lässt sich nicht überstreichen – Henkel schreibt das für seine Pattex-Silikone ausdrücklich.
Irrtum
„Für kleine Löcher reicht Zahnpasta.“
Richtig
Zahnpasta ist für keine Wand als Füllmasse vorgesehen.
Löcher in Putz und Mauerwerk füllen
So füllst du ein Dübelloch mit Fertigspachtel:
- Loch vorbereiten. Dübel und lose Ränder sind entfernt, das Loch ist ausgesaugt. Verschwindet ein Wassertropfen sofort im Putz, saugt der Untergrund stark; Molto verlangt für saugende und sandende Flächen eine Grundierung mit Tiefgrund.
- Masse tief eindrücken. Setz die Dosierspitze am Grund des Lochs an und füll es von hinten nach vorn, damit keine Luft eingeschlossen bleibt.
- Bündig abziehen. Zieh die Masse mit dem breiten, leicht angefeuchteten Spachtel einmal waagerecht und einmal senkrecht ab. Was über die Wand hinaussteht, musst du später abschleifen.
- Nachfüllen. Manche Pasten schrumpfen beim Trocknen. Ist die Füllung eingesunken, füllst du das Loch ein zweites Mal auf.
- Trocknen lassen. Für Innen Reparatur Moltofill nennt Molto etwa 2 Stunden, je nach Schichtstärke, Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Geschliffen wird nach vollständiger Durchtrocknung.
Große, tiefe Löcher mit Gipsspachtel
Für einen ausgerissenen Rand oder ein Loch, in das ein Finger passt, rührst du Gipsspachtel an: Wasser vorlegen, Pulver einstreuen, klumpenfrei verrühren. Rühr nur so viel an, wie du in einer Stunde verarbeitest, denn danach beginnt die Masse auszuhärten. Stark saugenden Putz nässt du vorher an, so verlangt es das Merkblatt. Drück den Gips in den Ausbruch und zieh ihn bündig ab. Weil er in jeder Schichtstärke gleich schnell durchhärtet, füllst du auch ein tiefes Loch in einem Gang. Nach rund 2 Stunden ist er trocken und lässt sich sofort schleifen.
Mit Fertigspachtel aus der Tube geht ein tiefer Ausbruch nur in dünnen Lagen, und die Wartezeit wächst schneller als die Schicht.
Zahlen im Vergleich
Reparaturspachtel Universal Moltofill: Trockenzeit nach Schichtstärke
Stunden laut Molto
- 1 mm Schichtstärkeetwa 1 Stunde
- 5 mm Schichtstärke3 bis 5 Stunden
- 10 mm Schichtstärke24 bis 36 Stunden
Universal Moltofill ist ohnehin nur für Löcher bis 1 cm Tiefe freigegeben; alles Tiefere füllst du mit Gips, der nach rund 2 Stunden trocken ist.
Beide Spachtelarten verarbeitest du ab 10 °C, ideal sind 15 bis 21 °C. Ziehst du im Winter aus und ist die Heizung schon abgedreht, heiz den Raum vor dem Spachteln wieder auf.
Soll an derselben Stelle später wieder etwas hängen, bohr nicht in die Gipsfüllung, davon rät Molto ab. Drück den neuen Dübel stattdessen direkt in die noch feuchte Masse. Muss später doch in die Füllung gebohrt werden, nennt Molto dafür statt Gips Blitzzement Moltofill oder Aussen Moltofill.
Löcher in Gipskarton schließen
Hinter einer Gipskartonwand liegt meist ein Hohlraum: Spachtel, den du in ein großes Loch drückst, fällt nach hinten weg, und ein Papierknäuel als Stopfen trägt keine Füllung. Schrauben- und Dübellöcher füllst du wie in Putz mit Fertig- oder Gipsspachtel; schneid vorher aufgefaserten Karton am Rand mit dem Teppichmesser ab, sonst steht er nach dem Spachteln als Wulst heraus. Siehst du durch das Loch in den Hohlraum, brauchst du etwas, das die Öffnung überbrückt.
Löcher bis Steckdosengröße: Reparaturgewebe
Rigips beschreibt sein Reparaturgewebe für Löcher in Gipsplatten wie falsch gesetzte Steckdosen- und Lichtschalterausschnitte oder Schäden durch Türgriffe. Wähl die Größe so, dass das Gewebe rundum auf festem Plattenrand klebt. Nach dem Datenblatt entsteht ein Aufbau aus drei Lagen.
Schichtaufbau
Reparaturgewebe über dem Loch, im Schnitt
Grundierung und Farbe
Zweite Spachtelschicht
Nach dem Abbinden folgt eine zweite Schicht, die du etwas weiter ausziehst als die erste.
Erste Spachtelschicht
Darauf kommt eine erste Schicht Fugenspachtel für Gipsplatten, die du über das Gewebe ausziehst – Rigips nennt dafür seinen VARIO Unifüll.
Reparaturgewebe
Das Gewebe klebt mittig über der Öffnung und überbrückt sie; vorher entfernst du loses und brüchiges Material am Rand.
Gipsplatte mit Loch
Hohlraum
Nach dem vollständigen Trocknen schleifst du die Stelle und grundierst sie vor dem Streichen.
Größere Löcher: Passstück mit Hinterlegung
Ist das Loch größer als das Gewebe oder die Platte rundherum eingedrückt, setzt du ein neues Stück Platte ein. Vorher klärst du, wo Leitungen laufen.
Zeichne dann ein Rechteck um den Schaden, das auf allen Seiten festes Material erreicht, und schneid es mit einer Gipskartonsäge aus. Schieb eine Holzlatte in die Öffnung, die oben und unten deutlich übersteht, und schraub sie durch die Platte fest. Aus einem Plattenrest gleicher Dicke – miss sie am Lochrand – schneidest du das Passstück, schraubst es auf die Latte und spachtelst die Fugen in zwei Lagen mit Fugenspachtel und Bewehrungsstreifen.
Löcher in Fliesen und Fugen
Ein Bohrloch in der Fuge ist der einfache Fall. Du füllst es mit Fugenmörtel in der Farbe der vorhandenen Fugen, ziehst ihn bündig ab und wischst die Fliesen sauber, danach fällt die Stelle kaum noch auf. Ein Loch in der Fliese selbst ist schwieriger. Gips oder Wandspachtel bleiben darin als matter, poröser Fleck, der schneller schmutzig wird als die Glasur. Besser hält eine Zweikomponenten-Reparaturmasse aus einem Fliesen-Reparaturset: anmischen, eindrücken, nach dem Aushärten plan schleifen und mit Fliesenlack im Farbton der Fliese überstreichen. Spurlos verschwindet ein Loch nur, wenn die Fliese ausgetauscht wird.
Bohrst du in der neuen Wohnung, setz die Löcher deshalb in die Fugen, wo es geht. Und notier beim Einzug, wo schon Löcher in Fliesen und Wänden sind – wie du den Zustand bei der Übergabe festhältst, steht unter Übergabeprotokoll für die Wohnung.
Schleifen, Struktur angleichen, grundieren
Prüf die getrocknete Stelle mit der Kante des breiten Spachtels. Liegt sie flach auf, ist die Füllung eben. Siehst du darunter eine Mulde, spachtelst du dünn nach; kippelt die Kante auf einem Buckel, schleifst du ihn ab. Halt eine Taschenlampe flach an die Wand: Im Streiflicht siehst du jede Spachtelkante, die bei normalem Licht verschwindet.
Geschliffen wird mit feinem Schleifpapier auf einem Schleifklotz, und zwar nur die Füllung, nicht die Wand drumherum. Molto rät, möglichst nass zu schleifen, nur in gut belüfteten Räumen zu arbeiten und bei Bedarf Atemschutz zu tragen, weil Schleifstaub von alten Farbschichten gefährlich sein kann.
Auf Raufaser fällt eine glatte Spachtelstelle sofort auf. Dafür gibt es Raufaser-Reparaturspachtel wie Raufaser Reparatur Moltofill, die 330-g-Tube für 7,29 € bei toom (Stand: Oktober 2026). Er enthält Holzspäne, die die Raufaseroptik nachbilden, und kann nach dem Durchtrocknen so bleiben oder überstrichen werden. Laut Merkblatt ist er für Raufaser mittlerer Prägung gedacht und trocknet in 1 bis 3 Stunden. Ist die Tapete selbst eingerissen, hilft Tapete ausbessern.
Vor dem Streichen grundierst du die gespachtelten Stellen: Molto schreibt für seinen Gipsspachtel nach dem Schleifen Tiefgrund vor, Rigips eine Grundierung vor jeder weiteren Beschichtung. Ohne Grundierung saugt die Stelle die Farbe anders als die Wand und zeichnet sich im Anstrich ab. Wie du danach die ganze Wand gleichmäßig streichst, steht unter Wände streichen.
Leere Tuben gehören ins Recycling, Gebinde mit Resten zu einer Sammelstelle für Altfarben – so steht es in den Molto-Merkblättern.
Dübellöcher beim Auszug: Gerichte uneins
Ob du Dübellöcher beim Auszug schließen musst, sehen Gerichte unterschiedlich.
Gesetz
§ 538BGB
Nach § 538 BGB hat der Mieter Veränderungen oder Verschlechterungen der Mietsache, die durch den vertragsgemäßen Gebrauch herbeigeführt werden, nicht zu vertreten.
Befestigungen mit Dübeln gehören zum vertragsgemäßen Gebrauch einer Wohnung – davon gehen die Gerichte im BGH-Fall von 1993 ebenso aus wie das Landgericht Wuppertal.
Der Bundesgerichtshof hat 1993 eine Formularklausel gekippt, nach der Mieter beim Auszug Dübel entfernen, Löcher unkenntlich verschließen und durchbohrte Kacheln ersetzen sollten (VIII ZR 10/92). Die Klausel verlangte das auch für Dübel, die für den vertragsgemäßen Gebrauch unerlässlich waren, und benachteiligte Mieter damit unangemessen. Die Vorinstanz hatte zum vertragsgemäßen Gebrauch gezählt, Dübel zu setzen und Kacheln in Bad und Küche im verkehrsüblichen Maß anzubohren. Ob eine Pflicht, durchbohrte Kacheln ohne Einschränkung zu ersetzen, für sich gehalten hätte, ließ der BGH offen.
Das Landgericht Wuppertal entschied 2020, Dübel seien bei Ende des Mietverhältnisses zu entfernen und die Löcher fachgerecht zu verschließen, weil es sich um Eingriffe in die Substanz handle (9 S 18/20). Die Mieter hatten rund 126 Dübellöcher, kräftige Latexfarben und Heißkleberpunkte trotz Aufforderung nicht beseitigt. Der Vermieter hatte die ganze Malerrechnung über 1.666,74 € einbehalten; das Gericht erkannte nur die Mehrkosten gegenüber normalen Schönheitsreparaturen als Schaden an, 833,37 €, die er mit Kaution, Mietüberzahlung und Nebenkostenguthaben der Mieter verrechnen durfte. Ein Teil der Fachliteratur sieht eine solche Pflicht nur bei untypischem Nutzerverhalten; das Landgericht hielt dieses Merkmal für unbrauchbar.
Für dich heißt das: Zieh die Dübel heraus und füll die Löcher, bevor du die Wohnung übergibst. Eine Tube Spachtel und ein Nachmittag sind billiger als jeder Streit um die Kaution. Ob du beim Auszug außerdem streichen musst, klärt der Ratgeber Renovieren bei Auszug. Plan die Trockenzeit ein, damit Spachtel und Farbe zum Termin fertig sind – wann der liegt, steht unter wann Wohnungsübergabe.
