Welche Folie klebt am Fenster?
Die Haftung entscheidet über den ganzen Weg. Steht auf Verpackung oder Rechnung „statisch haftend“ oder „Static“, hat die Folie keinen Kleber: Der Hersteller d-c-fix beschreibt seine statischen Fensterfolien als Folien ohne Kleber auf der Rückseite, die nur mit Wasser oder Montageflüssigkeit angebracht werden. „Selbstklebend“ heißt dagegen, dass Kleber auf der Scheibe zurückbleiben kann. Dass die Folie mit Wasser angebracht wurde, beweist nichts, denn auch selbstklebende Fensterfolien werden laut d-c-fix nass verarbeitet.
Fehlen die Unterlagen, hebst du eine Ecke mit dem Fingernagel an und tippst auf die Rückseite. Fühlt sie sich glatt an und lässt sich die Folie ohne Widerstand abheben, haftet sie statisch. Zieht sie Fäden oder klebt an der Fingerkuppe, ist es Klebefolie. Danach richtet sich der Weg:
Welcher Weg passt zu deiner Folie?
Rückseite glatt, nicht klebrig
Statische Folie
Statische Folie lässt sich so leicht entfernen, wie sie angebracht wurde. Ecke anheben, abziehen und die Scheibe mit warmem Wasser abwischen; Kleberentferner brauchst du nicht.
Rückseite klebt an der Fingerkuppe
Selbstklebende Folie
Selbstklebende Folie aus dem Baumarkt löst du am Rand, wärmst sie bei Bedarf mit dem Föhn an und ziehst sie langsam ab. Was an Kleber bleibt, weichst du ein.
Sonnenschutz- oder Sicherheitsfolie
Vom Fachbetrieb verklebt
Hat ein Fachbetrieb die Folie verklebt, etwa eine Sonnenschutz- oder Sicherheitsfolie, frag dort nach Folientyp und Entfernungsanleitung, bevor du anfängst.
Glas, Beschichtung oder Kunststoff
Statische Folie haftet laut d-c-fix nur auf Echtglas. Klebefolie findest du auch auf Acrylglas, etwa an der Duschabtrennung oder an einer Tür mit Kunststoffscheibe. Acrylglas ist leichter als Glas, fühlt sich wärmer an und klingt beim Antippen dumpf; für Acrylglas gelten eigene Mittel, siehe die Übersicht weiter unten.
Bei Isolierglas kommt es darauf an, wo eine Beschichtung liegt. Die Glasoberflächen werden von außen nach innen durchgezählt, bei Zweifachglas von 1 bis 4, bei Dreifachglas bis 6.
Schichtaufbau
Wo bei Zweifachglas eine Beschichtung liegen kann
draußen
Außenscheibe: Position 1 und 2
Die Außenscheibe trägt Position 1 auf der Wetterseite und Position 2 zum Zwischenraum.
Scheibenzwischenraum mit Gas
Im Scheibenzwischenraum mit der Gasfüllung liegt eine Beschichtung auf Position 2 oder 3 geschützt, laut AGC sind dafür keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen nötig.
Innenscheibe: Position 3 und 4
Die Innenscheibe trägt Position 3 zum Zwischenraum und Position 4 zum Raum.
Folie auf Position 4
Auf Position 4 klebt die Folie, und dort kann ebenfalls eine Beschichtung liegen, etwa ein Wärmeschutzglas, das Pilkington für die Raumseite anbietet.
Raum
Bei Dreifachglas liegt die Folie entsprechend auf Position 6.
Ob auf der Raumseite eine Beschichtung liegt, verrät ein Feuerzeug im Dunkeln: Halte die Flamme vor die Scheibe, dann siehst du je Glasoberfläche ein Spiegelbild. Hat das vorderste, dir nächste Spiegelbild eine andere Farbe als die übrigen, ist die Raumseite beschichtet. Auf dem Abstandhalter zwischen den Scheiben stehen oft Hersteller und Herstellungsdatum; damit nennt dir der Fensterbauer den Aufbau. Eine raumseitige Beschichtung braucht besondere Vorsicht, denn Kratzer in der Beschichtung lassen sich laut AGC nicht beseitigen, und Pilkington verlangt, Etiketten darauf nur von Hand abzuziehen, ohne metallische Gegenstände.
Schau dir zum Schluss den Rahmen an: Kunststoff, Holz oder Aluminium, lackiert oder mit Dekorfolie beklebt? Dichtungen sitzen laut VEKA auf beiden Seiten der Verglasung, also direkt am Rand der Folie.
Folie kontrolliert ablösen
Leg ein Handtuch auf die Fensterbank und fotografiere die Scheibe vor dem ersten Handgriff, vor allem Kratzer oder Macken am Rand, die schon da sind. Bereit liegen sollten eine Sprühflasche mit warmem Wasser, zwei oder drei weiche Mikrofasertücher, ein Föhn und für Kleberreste Isopropanol. Für Glas, Rahmen und Dichtungen nimmst du getrennte Tücher, wie es Pilkington für die Glasreinigung vorgibt.
- Ecke anheben. Setz den Fingernagel an einer Ecke an, an der die Folie etwas Abstand zur Dichtung hat; bei statischer Folie lässt d-c-fix beim Anbringen 2 mm Platz zur Silikonfuge. Stich nie zwischen Glas und Dichtung.
- Bei Bedarf anwärmen. Lässt sich die Folie schwer lösen, wärmst du sie mit einem Haarföhn leicht an, so empfiehlt es d-c-fix. Halte den Föhn in Bewegung und arbeite in Abschnitten von etwa einer Handbreite.
- Flach und langsam ziehen. Falte die Folie flach zurück, sodass sie fast parallel zur Scheibe läuft, und ziehe gleichmäßig. Je flacher und langsamer du ziehst, desto mehr Kleber bleibt an der Folie statt am Glas.
- Bei Rissen neu ansetzen. Reißt die Folie ein, hebst du am verbliebenen Rand eine neue Ecke an. Schneide sie nicht mit dem Cuttermesser auf der Scheibe in Streifen.
- Ränder unter der Dichtung lösen. Steckt der Folienrand unter der Dichtung, ziehst du ihn mit leichtem Zug parallel zur Scheibe heraus, ohne die Dichtung anzuheben oder herauszuziehen.
Alte Sonnenschutzfolie, die jahrelang in der Sonne klebte, kann beim Abziehen in kleine Stücke brechen. Sprüh sie dann mit warmem Wasser ein, deck sie mit Frischhaltefolie ab, damit sie feucht bleibt, und warte, bis die Folie weich wird. Danach lässt sie sich in größeren Stücken abziehen.
Für einen Dampfreiniger, den manche Anleitungen zum Ablösen empfehlen, gilt dasselbe: Düse in Bewegung halten, nie lange auf eine Stelle richten. Vorgespanntes Glas trägt laut AGC eine dauerhafte Kennzeichnung, such sie in den Ecken der Scheibe. Fehlt sie, arbeitest du nur mit leichter Wärme in Bewegung.
Klebereste materialverträglich beseitigen
Fang mit Wasser an. Sprüh die Kleberreste mit warmem Wasser ein und lass es ein paar Minuten einwirken; laut d-c-fix quillt der Kleber an und lässt sich dann leichter entfernen. Reib ihn mit einem weichen Mikrofasertuch in kleinen Kreisen ab und nimm ihn mit einer frischen Tuchseite auf, damit du ihn nicht über die Scheibe verteilst.
Reicht Wasser nicht, nennt d-c-fix für Kleberreste eine Mischung aus Waschbenzin und Isopropanol im Verhältnis 1:1: auftragen, einwirken lassen, vorher an einer unauffälligen Stelle testen. Den Spatel, den d-c-fix zum Abschaben nennt, ersetzt du auf Glas durch ein Mikrofasertuch, denn Pilkington lehnt Spatel an der Scheibe ab. Pilkington nennt für Fett- und Dichtstoffrückstände auf Glas Spiritus oder Isopropanol, AGC zum Entfernen von Schutzfolien Isopropanol oder Aceton. Welches Mittel auf welche Fläche darf, zeigt die Übersicht nach den Herstellerangaben; „bedingt“ heißt: nur, wenn die Pflegeanleitung der Beschichtung das Mittel nennt.
Übersicht
Welches Mittel auf welche Fläche darf
| Mittel | Glas ohne Beschichtung | Beschichtung auf der Raumseite | Acrylglas | Rahmen und Dichtung |
|---|---|---|---|---|
| Warmes Wasser | geeignet | geeignet | geeignet | geeignet |
| Isopropanol | geeignet | bedingt | geeignet | ungeeignet |
| Waschbenzin | geeignet | bedingt | geeignet | ungeeignet |
| Spiritus | geeignet | bedingt | ungeeignet | ungeeignet |
| Aceton, Nagellackentferner | geeignet | bedingt | ungeeignet | ungeeignet |
| Klinge, Schaber, Stahlwolle, Scheuermittel | ungeeignet | ungeeignet | ungeeignet | ungeeignet |
Für Acrylglas nennt der Hersteller von PLEXIGLAS Isopropanol und benzolfreies Reinbenzin, wie es als Waschbenzin verkauft wird; Ethanol, also Spiritus, Alkohol und Verdünnungen können das Material beschädigen, auch Fensterreiniger schaden ihm. Am Rahmen warnt der Profilhersteller VEKA vor Nagellackentferner und anderen Lösungsmitteln oder Verdünnern, weil sich Schäden oft erst nach einiger Zeit zeigen. Leg deshalb ein trockenes Tuch an die Dichtung, gib das Mittel aufs Tuch statt auf die Scheibe und wisch Spritzer am Rahmen sofort mit Wasser ab.
Bleibt eine klebrige Stelle, wiederholst du das Einweichen, statt fester zu reiben. Zum Ceranfeldschaber greifst du auch dann nicht.
Irrtum
„Ein Ceranfeldschaber ist für glatte Flächen gemacht und zerkratzt Glas nicht.“
Richtig
Pilkington schreibt in seinen Reinigungstipps, die mit dem Bundesverband Flachglas entstanden sind: Das sogenannte „Abklingen“ mit dem Glashobel oder auch der Einsatz eines Ceranfeldschabers zur Reinigung ist nicht zulässig. Auch Spatel, Stahlwolle und Rasierklingen sollen nicht an die Scheibe, damit keine Kratzer entstehen.
Scheibe reinigen und Zustand prüfen
Ist der Kleber herunter, wäschst du die Scheibe mit viel klarem Wasser und einem Glasreiniger und ziehst sie mit einem Gummiabzieher ab. AGC rät, Glas nur nass zu reinigen, ohne übermäßigen Druck, und bei einer Beschichtung darauf zu achten, dass der Metallgriff des Abziehers sie nicht berührt. Acrylglas wischst du feucht ab und reibst es nie trocken, sonst lädt es sich laut PLEXIGLAS elektrostatisch auf und kann verkratzen. Den Rahmen reinigst du zuletzt mit lauwarmem Wasser und einem weichen Tuch, wie VEKA es empfiehlt.
Schau dir die trockene Scheibe bei Tageslicht von schräg an und in der Dämmerung gegen eine Lampe. Schlieren verschwinden beim nächsten Wischen, Kleber fühlt sich stumpf oder klebrig an. Eine feine Linie, die sich weder mit Wasser noch mit Isopropanol verändert, kann ein Kratzer sein; reib dann nicht weiter, sondern fotografiere sie aus demselben Winkel wie vorher. Prüf auch die Ränder: Ein Sprung im Glas oder eine Dichtung, die nicht mehr anliegt, gehört zum Glaser oder Fensterbauer.
Checkliste: Scheibe nach dem Entfernen prüfen
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Folie beim Auszug und Einzug
Ziehst du aus, klär rechtzeitig mit dem Vermieter, ob Sichtschutzfolie bleiben darf; was du beim Auszug zurückbauen musst, erklärt der Ratgeber Renovieren beim Auszug. Soll sie herunter, plan sie wie das Streichen vor dem Übergabetermin ein, damit spröde Folie dich nicht am letzten Abend aufhält. Wann die Übergabe stattfindet, steht unter Wohnungsübergabe. Klebt beim Einzug noch Folie vom Vormieter am Fenster, entscheidest du mit den übrigen Altbelägen, was herunter soll, siehe bei Einzug renovieren; Tapeten löst du auf einem anderen Weg, siehe Tapeten entfernen.
