Eine Person trägt eine Zimmerpflanze in einer Holzkiste vor einer hellen Wand
Familie & Lebenslagen

Lesedauer 9 Minuten

Umzug mit Pflanzen: Zimmerpflanzen verpacken, transportieren und eingewöhnen

Die Umzugsfirma haftet meist nicht, also fährst du Zimmerpflanzen selbst – gut verpackt und geschützt vor Kälte und Hitze.

Pflanzen vorbereiten und den Transport einteilen

Schreib für jede Pflanze Name, Höhe mit Topf und breiteste Stelle auf und miss große Exemplare samt Rankstab. Das Gewicht ermittelst du mit der Personenwaage: erst allein wiegen, dann mit der Pflanze im Arm, die Differenz ist ihr Gewicht. Vergleiche die Maße mit Türen, Treppenauge und Ladehöhe. Passt eine Palme nur gebückt ins Auto, braucht sie eine eigene Fahrt im Transporter, statt dass du die Krone beim Einladen herunterbiegst.

Teile dann ein: Kleine Töpfe kommen gemeinsam in Kisten, schwere Kübel einzeln, und ausladende oder blühende Pflanzen bekommen einen Platz mit Luft nach oben. Empfindliche Arten fahren im Auto mit dir, robuste können bei mildem Wetter in den Umzugswagen. Von Pflanzen, die keinen Platz finden, schneidest du Stecklinge oder verschenkst sie in der Nachbarschaft. Liegt zwischen Aus- und Einzug eine Zwischenlagerung, gehören Pflanzen nicht in den Lagerraum, weil dort das Licht fehlt; gib sie solange Freunden oder Nachbarn.

Kontrolliere Kulturtopf und Übertopf auf Risse. Einen beschädigten Übertopf verpackst du separat, die Pflanze reist im stabilen Kulturtopf; ist der selbst gebrochen, setzt du den Ballen vorher in ein intaktes Gefäß. Lose Steine, Deko und Gießhilfen nimmst du heraus. Gieß in den Tagen davor nur nach Bedarf und leere Untersetzer und Übertöpfe: Nasse Erde macht Töpfe schwerer und tropft, und ständige Vernässung des Wurzelballens ist die wichtigste Ursache für Wurzelfäule.

Wer die Pflanzen fährt

Für Umzugsunternehmen gelten beim Umzugsvertrag besondere Haftungsausschlüsse.

Das gilt nur, wenn das Unternehmen alle ihm nach den Umständen obliegenden Maßnahmen getroffen und besondere Weisungen beachtet hat (§ 451d Abs. 3 HGB). Ziehst du privat um, muss es dich außerdem beim Vertragsschluss über die Haftungsbestimmungen unterrichtet und auf eine weitergehende Haftung oder eine Versicherung hingewiesen haben, drucktechnisch deutlich hervorgehoben; sonst kann es sich auf den Ausschluss nicht berufen (§ 451g Satz 1 Nr. 1 und Satz 2 HGB). Schreib deine Weisungen deshalb in den Auftrag, etwa „aufrecht transportieren, nicht über Nacht im Laderaum lassen, nicht unter 10 °C“. Kostbare und empfindliche Pflanzen nimmst du trotzdem besser selbst mit.

Ist doch etwas beschädigt, zeigst du es in Textform an: einen sichtbaren Schaden spätestens am Tag nach der Ablieferung, einen nicht sichtbaren innerhalb von 14 Tagen (§ 451f HGB, § 438 Abs. 4 HGB). Auf diese Fristen kann sich das Unternehmen nur berufen, wenn es dich spätestens bei der Ablieferung auf Form und Frist hingewiesen hat (§ 451g Satz 1 Nr. 2 HGB).

Transportetikett zum Ausfüllen

Kleb das Etikett außen an Kiste oder Topfhülle. Es sagt Helfern, wohin die Pflanze kommt und was sie nicht verträgt.

Vorlage

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Verpacken: kleine Töpfe in Kisten, große einzeln

Bevor du packst, legst du bereit:

Bereitlegen

  • Stabile Kisten oder Umzugskartonsmit verstärktem Boden
  • Wasserdichte Einlageetwa eine flache Wanne oder Malerfolie
  • Packpapier oder Zeitungspapierzum Polstern und Abdecken
  • Weiche, breite Bänderfür Triebe und Rankstäbe
  • Klebeband und Etikettenfür die Kisten

Eine Kiste für kleine Pflanzen baust du von unten nach oben auf.

Schichtaufbau

So ist eine Pflanzenkiste aufgebaut

Luft für die Blätter

  1. Lose Papierhülle

    Über die Pflanzen kommt eine lose Papierhülle, die Blätter und Blüten nicht berührt.

  2. Pappscheibe auf der Erde

    Eine geschlitzte Pappscheibe auf der Erde hält das Substrat im Topf.

  3. Töpfe, Lücken mit Papier gefüllt

    Dann stellst du die Töpfe dicht an dicht hinein und stopfst die Lücken auf Topfhöhe mit geknülltem Papier aus, damit nichts kippt.

  4. Saugfähiges Papier

    Darauf liegt eine Lage saugfähiges Papier für Tropfen und Erde.

  5. Wasserdichte Einlage

    Auf den Boden kommt eine wasserdichte Einlage.

Kistenboden

Schwere Keramiktöpfe wickelst du einzeln ein und packst sie in eine eigene Kiste, damit die Kiste tragbar bleibt.

Hohe und ausladende Pflanzen packst du einzeln. Führe die Triebe nur so weit zusammen, wie es ohne Widerstand geht, und binde sie mit weichen Bändern an den Rankstab; Klebeband gehört an die Verpackung, nie an die Pflanze. Über die Krone stülpst du eine Tüte aus Packpapier, die oben offen bleibt und die Blätter nicht quetscht. Angefasst wird immer der Topf, nie Stamm, Blätter oder Rankhilfe. Schwere Kübel tragt ihr zu zweit mit Tragegurten oder fahrt sie auf einem Rollbrett bis zur Tür. Für Treppenhaus und Flur gilt dasselbe wie beim Bodenschutz beim Umzug: Erde und Wasser landen sonst auf den Stufen.

Unterwegs: Kälte, Hitze und Ladung

Bei Kälte

Die meisten Zimmerpflanzen stammen aus ganzjährig warmen Gebieten. Unter 10 °C ist beim Pflanzentransport besondere Sorgfalt nötig, denn kalte Luftströme und ein längerer Zwischenstopp im kalten Auto führen zu Kälteschäden. Wie kühl es am Standort höchstens werden darf, nennen Gartenakademie und Landwirtschaftskammer je nach Art:

Zahlen im Vergleich

Wie kühl es höchstens werden darf

Mindesttemperatur in °C

  • Monstera, Philodendron, Einblattetwa 18 °C
  • Orchideen, Bromelien, Peperomienüber 16 °C
  • Yucca-Palmebis 12 °C
  • Geldbaum (Crassula ovata)bis 10 °C
  • ZitruspflanzenSchutz schon unter 10 °C

Fahr bei Frost mit vorgeheiztem Auto, trag die Pflanzen als Letztes hinaus und am Ziel als Erstes hinein. Ist die neue Wohnung noch kalt, drehst du die Heizung dort am Tag vorher auf. In den unbeheizten Laderaum eines Umzugswagens gehören empfindliche Pflanzen im Winter nicht. Blühende Orchideen sind besonders heikel: Während der Blüte soll die Temperatur nicht unter 20 °C sinken. Oleander, Feige und Granatapfel dagegen halten kurzzeitig Temperaturen wenig unter 0 °C aus. Mehr zum Umzug in der kalten Jahreszeit steht im Ratgeber Umzug im Winter.

Bei Hitze

Im Sommer ist das geparkte Auto die größte Gefahr.

In Zahlen

über 45 °Cnach 30 Minuten in der Sonne

Bei einer Außentemperatur knapp über 28 °C werden im geparkten Auto nach 30 Minuten in der Sonne über 45 °C erreicht.

Selbst leicht geöffnete Fenster bringen dann keine Abkühlung. Ab 35 °C und starker Sonne stirbt Pflanzengewebe ab, und an den Blättern ist es oft viel heißer, als das Thermometer anzeigt. Fahr deshalb früh am Morgen, park im Schatten, lass die Pflanzen nie allein im Auto stehen und richte die Klimaanlage nicht direkt auf die Blätter. Tipps für den ganzen Umzug bei hohen Temperaturen gibt der Ratgeber Umzug bei Hitze.

Ladung sichern

Ladung muss so verstaut und gesichert sein, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutscht, umfällt, hin- und herrollt oder herabfällt (§ 22 Abs. 1 StVO); deine Sicht darf sie nicht beeinträchtigen (§ 23 Abs. 1 StVO). Im Auto stehen Pflanzenkisten gut im Fußraum hinter den Vordersitzen oder auf einer Antirutschmatte im Kofferraum, eng an andere Kisten geschoben. Im Transporter zurrst du Kübel mit Gurten an den Zurrpunkten fest, ohne Triebe einzuklemmen, und hältst über der Krone Platz frei, damit später keine Kartons dagegen drücken. Wie du einen Transporter insgesamt belädst, zeigt der Ratgeber Transporter richtig beladen.

Am neuen Standort eingewöhnen

Pack die Pflanzen gleich nach der Ankunft aus, damit sie wieder Licht und Luft bekommen, und prüf Töpfe, Triebe und Untersetzer. Dann suchst du einen Platz mit ähnlichem Licht wie bisher. Das Auge täuscht dabei: Direkt am Fenster kommen nur noch etwa 10 % der Lichtstärke von draußen an, und die Gartenakademie Rheinland-Pfalz teilt Zimmerpflanzen deshalb nach Lux ein. Stell eine Pflanze möglichst nur innerhalb derselben Lichtzone um. Ein Luxmeter oder eine Luxmeter-App gibt dir am alten und am neuen Platz zur selben Tageszeit einen Vergleichswert.

LichtbedarfLuxBeispiele
gering500–1.000Bogenhanf, Clivie, Drachenbaum, Farne, Einblatt, Usambaraveilchen
mittel1.000–2.000Begonien, Bromelien, Dieffenbachie, Gummibaum, Kentiapalme
hoch2.000–3.000Aloe, Zitruspflanzen, Kroton, Kalanchoe, Weihnachtsstern, Yucca

Ist der neue Platz deutlich sonniger, stellst du die Pflanze erst abseits der direkten Sonne und rückst sie schrittweise näher, wenn die Art volle Sonne verträgt: Verbrennungen treffen vor allem Pflanzen, die sich nicht an starke Sonne gewöhnen konnten. Meide kalte Zugluft beim Lüften und den warmen Luftstrom direkt über der Heizung. Verliert eine Pflanze in kurzer Zeit sehr viele Blätter, kann das ein Kälte- oder Hitzeschaden vom Transport sein.

Den alten Gießrhythmus übernimmst du nicht einfach, sondern prüfst mit dem Finger, ob die obere Erde trocken ist.

Irrtum

„Hängende Blätter heißen: Die Pflanze braucht Wasser.“

Richtig

Hängende Blätter heißen nicht automatisch Wassermangel: Durch Nässe und Pilze zerstörte Wurzeln können kein Wasser mehr aufnehmen, sodass trotz Gießens keines in Blätter und Triebe gelangt.

Welken hat meist zwei Ursachen, vergossen oder vertrocknet; ist der Ballen nass, gießt du nicht nach. Die meisten Zimmerpflanzen werden zu Tode gegossen, nur wenige vertrocknen.

Balkon- und Gartenpflanzen mitnehmen

Kübelpflanzen vom Balkon wie Oleander oder Olive sind schwer und sperrig. Wieg sie vorher mit der Personenwaage, plane eine Sackkarre oder eine zweite Person ein und sichere sie im Umzugswagen wie ein Möbelstück, aufrecht und an Zurrpunkten. Bei Frost bleiben frostempfindliche Kübel nicht im Laderaum stehen.

Gartenpflanzen: Eigentum und Pflanzzeit

Im Garten gilt etwas anderes: Eine Pflanze wird mit dem Einpflanzen grundsätzlich wesentlicher Bestandteil des Grundstücks (§ 94 Abs. 1 BGB); ausgenommen sind Sachen, die nur zu einem vorübergehenden Zweck mit dem Boden verbunden sind (§ 95 Abs. 1 BGB). Was beim Einzug schon im Garten wuchs, bleibt deshalb dort. Bei Pflanzen, die du selbst gesetzt hast, sprichst du vor dem Ausgraben mit dem Vermieter. Verkaufst du ein Haus mit Garten, gehen die eingepflanzten Pflanzen mit dem Grundstück an den Käufer über (§§ 93, 94 BGB); was du mitnehmen willst, hältst du im Kaufvertrag fest.

Gehölze und Stauden setzt du am besten außerhalb der Wachstumszeit um. Günstig sind je nach Witterung Ende September bis Anfang Dezember und Anfang März bis Ende April, an frostfreien Tagen mit aufgetautem, abgetrocknetem Boden; frostempfindliche Arten wie Hortensien oder Hibiskus setzt du im Frühjahr. Grab mit möglichst großem Wurzelballen aus, schlag den Ballen in Sackleinen oder stell ihn in einen Eimer und pflanze am Ziel noch am selben Tag ein.

Umzug ins Ausland: Pflanzengesundheit

Pflanzen aus EU-Staaten, der Schweiz, Nordirland und Liechtenstein darfst du nach Deutschland mitnehmen. Aus anderen Staaten außerhalb der EU dürfen nur bestimmte Pflanzen mit, und nur mit einem Pflanzengesundheitszeugnis des Pflanzenschutzdienstes im Herkunftsland. Ziehst du selbst ins Ausland, gelten die Einfuhrregeln des Ziellands; frag rechtzeitig beim Pflanzenschutzdienst nach.

Alle übrigen Schritte stehen in der Checkliste für den Umzug ins Ausland.

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